Heizgradtage

Beschreibung Die Kenngröße beschreibt die Summe Temperaturdifferenzen zwischen Durchschnittstemperaturen und einem Schwellenwert an allen Heiztagen. Sie dient als Maß zur genaueren Quantifizierung des klimabedingten Heizbedarfs.
Definition

Summe der Heizgradtage pro Jahr als Maß für den Heizbedarf. Die Kenngröße wird berechnet, indem für alle Tage von September bis Mai mit einer durchschnittlichen Tagestemperatur unter 15 °C die Differenz zu 15 °C bestimmt und aufsummiert wird. Das Ergebnis wird in Kelvin·Tage angegeben und beschreibt den witterungsbedingten Heizbedarf eines Jahres.

Auswirkung
  • Heizbedarf
  • Wärmebedarfsdichte

Impactanalyse

Eine zunehmende Anzahl an Heizgradtagen wirkt direkt erhöhend auf den Heizbedarf. Ein steigender Heizbedarf beeinflusst wiederum die Wärmebedarfsdichte, die eine zentrale Grundlage für die kommunale Wärmeplanung darstellt. Gleichzeitig wird der Heizbedarf auch durch weitere Faktoren bestimmt, insbesondere durch die Anzahl der Heiztage, den energetischen Gebäudezustand, die Anzahl privater Haushalte, medizinische Einrichtungen sowie durch angepasstes menschliches Verhalten.

Klimatische Ausprägung

Im Zeitraum 1991–2020 war der Heizbedarf im Landkreis Freudenstadt vor allem in den höher gelegenen Bereichen in der Mitte und im Westen besonders ausgeprägt, während er im Osten geringer ausfiel.

In einem um +2 °C erwärmten Klima wird der Heizbedarf aufgrund milder werdender Winter spürbar zurückgehen. Im Mittel ist mit einer Abnahme der Heizgradtage um etwa 8 % zu rechnen.

Für das +3 °C-Szenario wird sich dieser Trend deutlich verstärken. Im Mittel wird der Heizbedarf um rund 17 % abnehmen, in einzelnen Ausprägungen sind sogar Rückgänge von bis zu 22 % möglich. Insgesamt ist damit zu rechnen, dass der Wärmebedarf in Zukunft deutlich sinkt.

Klimaanpassungsmaßnahmen

Basierend auf der Impact- und Strukturanalyse (vgl. Worauf basiert die Maßnahmeneinteilung?) werden die folgenden Maßnahmen empfohlen:

Stabilisierende Maßnahmen – Heizbedarf

  • Energetische Sanierung von Gebäuden, z. B. durch Dämmung, Fenstertausch oder Dachsanierung
  • Ausbau klimaangepasster und energieeffizienter Gebäude im Neubau und Bestand
  • Förderung effizienter Heizsysteme zur Reduktion des Wärmeenergiebedarfs
  • Ausbau erneuerbarer Wärmeversorgung, z. B. durch Wärmepumpen, Solarthermie oder Biomasse
  • Kommunale Wärmeplanung und gezielte Verdichtung von Wärmenetzen in geeigneten Gebieten
  • Nutzung von Abwärme aus Industrie, Gewerbe oder Infrastruktur
  • Energiemanagement in öffentlichen, sozialen und medizinischen Einrichtungen
  • Nutzung smarter Gebäudesteuerung und Temperaturmanagementsysteme
  • Sensibilisierung der Bevölkerung für angepasstes Heizverhalten und effizienten Wärmeverbrauch
  • Aufbau einer resilienten Wärmeversorgung für vulnerable Gruppen und besonders kritische Einrichtungen