Hitzewellen

Beschreibung Die Kenngröße beschreibt Perioden mit anhaltend hohen Temperaturen, die als Hitzewellen auftreten.
Definition

Anzahl der Zeiträume pro Jahr, in denen mindestens drei Tage in Folge eine Tageshöchsttemperatur von über 28 °C auftritt.

Auswirkung
  • Herz-Kreislauf-Belastung sowie Konzentrations- und Leistungsfähigkeit
  • Krankenhausauslastung
  • Temperaturen des Trinkwassers im Netz
  • Tourismusaktivitäten

Impactanalyse

Eine zunehmende Anzahl an Hitzewellen wirkt direkt auf die Herz-Kreislauf-Belastung, die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, den Wasserverbrauch sowie die Temperaturen des Wassers im Netz. Dadurch können gesundheitliche Belastungen zunehmen und die Krankenhausauslastung steigen. Gleichzeitig können ein erhöhter Wasserverbrauch und höhere Wassertemperaturen die Trinkwasserqualität beeinträchtigen; diese wird zusätzlich durch die Verweilzeit des Wassers im Netz beeinflusst. Darüber hinaus können Hitzewellen auch touristische Aktivitäten beeinflussen, etwa die Zahl der Tagesgäste und Übernachtungsgäste, was sich nachgelagert auf Arbeitsplätze sowie auf den Strombedarf und den Wasserverbrauch in der Kommune auswirken kann. Die gesundheitlichen Effekte werden zudem von weiteren Faktoren wie der nächtlichen Erholung, der Aufheizung öffentlicher Plätze, dem energetischen Gebäudezustand und angepasstem menschlichem Verhalten mitbestimmt.

Klimatische Ausprägung

Im Zeitraum 1991–2020 traten Hitzewellen im Landkreis Freudenstadt vor allem im östlichen Flachland auf. Dort wurden im Mittel etwa zwei bis drei Hitzewellen pro Jahr verzeichnet, während sie in anderen Teilen des Landkreises seltener waren.

In einem um +2 °C erwärmten Klima wird die Anzahl der Hitzewellen weiter ansteigen. Im Mittel ist mit etwa einer zusätzlichen Hitzewelle pro Jahr zu rechnen, sodass entsprechende Belastungsphasen häufiger auftreten werden.

Für das +3 °C-Szenario wird sich dieser Trend deutlich verstärken. Die Anzahl der Hitzewellen wird sich etwa verdoppeln und dabei im gesamten Landkreis zunehmen. Insgesamt ist damit zu rechnen, dass anhaltende Hitzeperioden künftig deutlich häufiger auftreten und an Bedeutung gewinnen werden.

Klimaanpassungsmaßnahmen

Basierend auf der Impact- und Strukturanalyse (vgl. Worauf basiert die Maßnahmeneinteilung?) werden die folgenden Maßnahmen empfohlen:

Fokusmaßnahmen 

Herz-Kreislaufbelastungen

  • Ausbau kommunaler Hitzeaktionspläne mit klaren Warn-, Informations- und Unterstützungsstrukturen

  • Einrichtung und Bewerbung kühler Aufenthaltsorte, z. B. klimatisierte öffentliche Gebäude, Schattenplätze oder Trinkbrunnen
  • Gezielter Schutz vulnerabler Gruppen, z. B. ältere Menschen, Kinder oder Personen mit Vorerkrankungen
  • Reduktion der Aufheizung öffentlicher Plätze durch Verschattung, Begrünung, Entsiegelung und helle Oberflächen
  • Sensibilisierung der Bevölkerung zu hitzeangepasstem Verhalten, ausreichender Flüssigkeitsaufnahme und Vermeidung körperlicher Belastung

Übernachtungsgäste

  • Anpassung touristischer Angebote an Hitzeperioden, z. B. durch kühlere Aktivitätszeiten, schattige Routen oder Indoor-Angebote
  • Verbesserung der Aufenthaltsqualität durch Verschattung, Trinkwasserangebote und kühle Rückzugsorte
  • Kommunikation hitzeangepasster Freizeit- und Erholungsangebote für Gäste
  • Förderung hitzeresilienter Beherbergungsbetriebe, z. B. durch sommerlichen Wärmeschutz, Begrünung oder effiziente Kühlung

Tagestourismus

  • Entwicklung hitzeangepasster Tagesangebote, z. B. schattige Rundwege, wassernahe Aktivitäten oder witterungsunabhängige Angebote
  • Ausbau von Beschattung, Sitzgelegenheiten und Trinkwasserstellen an touristisch relevanten Orten
  • Anpassung von Veranstaltungszeiten und Besucherlenkung während starker Hitze
  • Bereitstellung leicht zugänglicher Informationen zu Hitzebelastung, kühlen Orten und sicheren Aktivitätsmöglichkeiten

Stabilisierende Maßnahmen

 Konzentrations- und Leistungsfähigkeit

  • Förderung hitzeangepasster Arbeits- und Lernumgebungen, z. B. durch Verschattung, Lüftung, Begrünung oder effiziente Kühlung
  • Anpassung von Arbeits-, Schul- und Betreuungszeiten bei extremen Hitzelagen
  • Sensibilisierung zu Pausen, Flüssigkeitsaufnahme und reduzierter körperlicher Belastung während Hitzewellen
  • Verbesserung der nächtlichen Erholung durch Maßnahmen gegen Überhitzung von Gebäuden und öffentlichen Räumen

Temperaturen des Wassers im Netz

  • Reduktion langer Verweilzeiten im Trinkwassernetz durch angepasstes Netzmanagement und regelmäßige Spülungen
  • Monitoring kritischer Netzabschnitte zur frühzeitigen Erkennung erhöhter Wassertemperaturen
  • Baulicher und technischer Schutz von Leitungen und Anlagen vor starker Erwärmung
  • Berücksichtigung steigender Wassertemperaturen bei Planung, Betrieb und Dimensionierung der Trinkwasserinfrastruktur
  • Sicherstellung ausreichender Wasserqualität durch angepasste Aufbereitungs- und Kontrollmaßnahmen während Hitzeperioden