Kühlgradtage

Beschreibung Die Kenngröße beschreibt die aufsummierten Temperaturdifferenzen zwischen den durchschnittlichen Tagestemperaturen und einem festgelegten Schwellenwert an allen Kühltagen. Sie dient als Maß zur genaueren Quantifizierung des klimabedingten Kühlbedarfs.
Definition

Summe der Kühlgradtage pro Jahr als Maß für den Kühlbedarf. Die Kenngröße wird berechnet, indem für alle Tage von April bis September die Überschreitung eines Schwellenwerts von 22 °C ermittelt und aufsummiert wird. Die Berechnung erfolgt dabei gewichtet: Die geringste Gewichtung wird angesetzt, wenn lediglich die Tageshöchsttemperatur über 22 °C liegt. Eine mittlere Gewichtung erfolgt, wenn die durchschnittliche Tagestemperatur den Schwellenwert überschreitet. Die höchste Gewichtung wird schließlich erreicht, wenn auch die Tagestiefsttemperatur über 22 °C liegt, da in diesem Fall selbst nachts keine Abkühlung eintritt. Das Ergebnis wird in Kelvin·Tage angegeben und beschreibt den witterungsbedingten Kühlbedarf eines Jahres (nach Spinoni et al., 2015 DOI: 10.1002/joc.3959).

Auswirkung
  • Kühlbedarf
  • Nutzung von Klimaanlagen
  • Strombedarf

Impactanalyse

Eine zunehmende Anzahl an Kühlgradtagen wirkt direkt erhöhend auf den Kühlbedarf. Dadurch steigt nachgelagert auch die Nutzung von Klimaanlagen, was den Strombedarf in der Kommune erhöhen kann. Gleichzeitig wird der Kühlbedarf durch weitere Faktoren beeinflusst, insbesondere durch die Anzahl der Kühltage, den energetischen Gebäudezustand, die Anzahl privater Haushalte, medizinische Einrichtungen, Ansiedlungen von Industrie und Gewerbe sowie durch angepasstes menschliches Verhalten.

Klimatische Ausprägung

Kühlgradtage beschreiben den über die Zeit aufsummierten Kühlbedarf und machen anschaulich, wie stark und wie häufig Gebäude im Sommer gekühlt werden müssen. Im Zeitraum 1991–2020 traten Kühlgradtage im Landkreis Freudenstadt vor allem im östlichen Teil in deutlich höherem Umfang auf als in den westlichen, höher gelegenen Regionen. Dort war der Kühlbedarf etwa dreimal so hoch, was auf die stärkere Aufheizung im Flachland zurückzuführen ist.

In einem um +2 °C erwärmten Klima wird dieser Kühlbedarf deutlich ansteigen. Im Mittel nehmen die Kühlgradtage um etwa 34 % zu, mit möglichen Zunahmen von bis zu rund 75 %. Besonders im Osten, wo der Kühlbedarf bereits heute hoch ist, wird sich dieser Anstieg am stärksten bemerkbar machen.

Für das +3 °C-Szenario wird sich diese Entwicklung nochmals deutlich verstärken. Die Kühlgradtage werden sich im Mittel etwa verdoppeln oder sogar noch stärker zunehmen. Insgesamt ist damit zu rechnen, dass der Bedarf an Kühlung im Landkreis künftig deutlich steigt und insbesondere in den ohnehin wärmeren Regionen stark zunimmt.

Klimaanpassungsmaßnahmen

Basierend auf der Impact- und Strukturanalyse (vgl. Worauf basiert die Maßnahmeneinteilung?) werden die folgenden Maßnahmen empfohlen:

Stabilisierende Maßnahmen – Kühlbedarf

  • Verbesserung des sommerlichen Wärmeschutzes von Gebäuden, z. B. durch Dämmung, Verschattung, Sonnenschutzverglasung oder helle Fassaden- und Dachflächen
  • Ausbau passiver Kühlmaßnahmen, z. B. natürliche Nachtlüftung, außenliegender Sonnenschutz oder begrünte Dächer und Fassaden
  • Einsatz energieeffizienter Kühlsysteme zur Reduktion des Strombedarfs bei steigender Kühlungsnachfrage
  • Nutzung smarter Gebäudesteuerung zur bedarfsgerechten Kühlung und Vermeidung unnötiger Klimatisierung
  • Begrünung und Entsiegelung im Gebäudeumfeld zur Reduktion der lokalen Aufheizung
  • Energiemanagement in öffentlichen, sozialen und medizinischen Einrichtungen zur Sicherstellung funktionsfähiger Kühlung bei Hitze
  • Sensibilisierung der Bevölkerung und Gebäudenutzenden für angepasstes Lüftungs- und Kühlverhalten