Katalog "AnLand"

Dieser Katalog unterstützt Sie dabei, die Auswirkungen des Klimawandels auf Ihre Kommune im Landkreis Freudenstadt sichtbar zu machen und darauf zu reagieren. Er bietet Ihnen praxisnahe Klimakenngrößen und zeigt, wie diese mit konkreten kommunalen Anpassungsfeldern zusammenhängen. Sie können den Katalog als Arbeits- und Informationsgrundlage für Anpassungsplanungen, Priorisierungen und Entscheidungshilfen nutzen.

 

So nutzen Sie den Katalog "AnLand" 

Die folgenden Schritte zeigen zunächst allgemein, wie der Katalog AnLand aufgebaut ist und genutzt werden kann, und werden anschließend an einem fiktiven Beispiel eines/einer Mitarbeitenden der Stadt Freudenstadt veranschaulicht. An relevanten Stellen wird auf wichtige Hinweise zur Auswertung und Interpretation verwiesen. Diese ergänzenden Informationen finden Sie gesammelt in den Hinweisen am Ende der Seite. Grundlage aller Analysen ist das Studiengebiet des Landkreises Freudenstadt. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Hinweis Studiengebiet.

1. Relevante Anpassungsfelder identifizieren
Zu Beginn wählen Sie ein oder mehrere Anpassungsfelder aus, in denen Sie Handlungsbedarf sehen. Der Katalog unterstützt dabei, zentrale Themenbereiche zu erfassen und die kommunale Ausgangssituation zu strukturieren.
Beispiel Freudenstadt: Eine mitarbeitende Person der Stadt startet mit der Frage, welche Bereiche in der Kommune besonders vom Klimawandel betroffen sind. Die kommunale Infrastruktur, insbesondere Straßen und Asphaltflächen, stellen sich als ein zentraler Bereich heraus. Steigende Temperaturen könnten die Belastung und Lebensdauer von Straßen erheblich beeinflussen. Daher wird das Anpassungsfeld „Urbaner Raum“ gewählt.
2. Passende Klimaauswirkung und Klimakenngröße auswählen
Im nächsten Schritt legen Sie fest, welche konkrete Klimaauswirkung im ausgewählten Anpassungsfeld betrachtet werden soll. Dazu wählen Sie eine oder mehrere geeingete Klimakenngrößen aus dem Katalog, die die Auswirkungen abbilden. Eine Erklärung zu Klimakenngrößen finden Sie hier: Was ist eine Klimakenngröße?
Beispiel Freudenstadt: Der/die Mitarbeitende stellt sich die Frage, wie sich die thermische Belastung von Asphalt entwickeln wird. Im Katalog wird dafür die Klimakenngröße „Asphalt-Belastungstage“ ausgewählt, mit der sich die Anzahl besonders stressreicher Tage für Straßenbeläge abschätzen lässt. 
3. Auswirkungen verstehen und einordnen

In diesem Schritt können Sie die Impactanalyse nutzen, um mögliche Auswirkungen von klimatischen Einflüssen in der Kommune abzuschätzen und Zusammenhänge verstehen zu können. Die Impactanalyse basiert auf einer Modellierung der Kommune als Wirkungsgefüge, das die Kommune in verschiedene Subsysteme unterteilt. Genauere Informationen hierzu können Sie hier finden: Was ist ein kommunales Wirkungsgefüge?

Die Analyse in den Steckbriefen besteht zum einen aus einer grafischen Darstellung, die diese Zusammenhänge abbildet. Zum anderen werden in einer kurzen schriftlichen Erklärung die wichtigsten Auswirkungen inkl. nachgelagerter Effekte erklärt. Die grafische Abbildung kann für eine vertiefende Analyse genutzt werden. Weitere Hinweise hierzu finden Sie hier: Was ist eine Impactanalyse?

Beispiel Freudenstadt: Es wird deutlich, dass die steigende thermische Belastung direkte Auswirkungen auf die Straßeninfrastruktur hat, etwa durch vermehrte Schäden. Gleichzeitig hängt das Ausmaß der Schäden auch von anderen lokalen Faktoren ab, z.B. ob hitzeanfällige Asphaltmischungen verwendet werden oder welche Straßenabschnitte besonders stark durch Verkehr belastet sind. Darüber hinaus erkennt die Stadt, dass sich diese Entwicklungen auch auf nachgelagerte Bereiche auswirken können, etwa auf die Verkehrssicherheit sowie die wirtschaftliche Attraktivität des Standorts.

4. Klimaveränderungen verstehen und einordnen 
Anhand der Karten können Sie abschätzen, wie sich die Klimakenngröße sowohl im kürzlich vergangenen Klima (Referenzzeitraum 1991-2020) als auch unter zukünftigen klimatischen Bedingungen entwickelt. Der Katalog stellt hierfür Analysen bereit, die Trends sowie mögliche Bandbreiten der Entwicklung aufzeigen. Die Datengrundlage basiert dabei auf Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für das vergangene Klima sowie auf Modellsimulationen für zukünftige Entwicklungen. Hinweise zur Datengrundlage finden Sie hier: .
Wie bei jeder zukunftsgerichteten Modellierung bestehen auch hier Unsicherheiten, die bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden müssen. Beachten Sie bitte hierzu die Hinweise in: Was muss ich bei der Interpretation der Klimaveränderungen beachten?
Beispiel Freudenstadt: Die Analyse zeigt, dass Asphaltflächen im Stadtkreis Freudenstadt im zurückliegenden Klima durchschnittlich an etwa einem Tag pro Jahr einer starken thermischen Belastung ausgesetzt waren. Für die Zukunft wird im Mittel ein zusätzlicher Belastungstag erwartet. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Entwicklung mit Unsicherheiten verbunden ist: Die Zahl der Belastungstage kann je nach Szenario auch leicht abnehmen oder im ungünstigsten Fall um bis zu zwei zusätzliche Tage ansteigen.
5. Maßnahmen ableiten

Auf Grundlage der Ergebnisse können Sie mögliche Maßnahmen ableiten. Als Unterstützung werden in den einzelnen Steckbriefen Maßnahmen vorgeschlagen. Dabei wird zwischen Fokusmaßnahmen, Stabilisierenden Maßnahmen und Ergänzenden Maßnahmen unterschieden.

  • Fokusmaßnahmen: Maßnahmen mit besonders großer Wirkung auf die gesamte Kommune, die viele Bereiche gleichzeitig beeinflussen können. Diese sollten entsprechend priorisiert werden.
  • Stabilisierende Maßnahmen: Maßnahmen, die wichtige Funktionen sichern und negative Folgen abschwächen sollen.
  • Ergänzende Maßnahmen: Maßnahmen mit eher begrenzter Wirkung, deren Bedeutung von den jeweiligen Bedingungen und Präferenzen vor Ort abhängt.
Diese Einteilung erfolgte auf Basis einer Strukturanalyse, die analysiert, welche Rolle einzelne Komponenten in der Kommune einnehmen. Weitere Informationen finden Sie hier: Worauf basiert die Maßnahmeneinteilung?.
Beispiel Freudenstadt: Für die Klimakenngröße „Asphalt-Belastungstage“ ergeben sich Fokusmaßnahmen im Bereich der „Qualität der Straßeninfrastruktur“. Dazu zählen beispielsweise Maßnahmen zur Optimierung der Verkehrssteuerung, etwa durch Geschwindigkeitsanpassungen oder Verkehrslenkung, um zusätzliche Belastungen der Infrastruktur zu reduzieren. Ergänzend können Maßnahmen zur Vermeidung direkter Schäden ergriffen werden, beispielsweise der Einsatz hitzeresilienter Materialien im Straßenbau.
 

Kommunale Anpassungsfelder

Hochspannungsleitungen yelantsevv / stock.adobe.com
Fluss philipbird123 / stock.adobe.com
Fahrradfahrer U. J. Alexander / stock.adobe.com
Tourismuswirtschaft
Freudenstadt Blickfang - stock.adobe.com
Haende js-photo / stock.adobe.com
Soziales und Gesundheit

Hinweise

Studiengebiet

Die Klimaveränderungen und die Impactanalyse werden für den Landkreis Freudenstadt ausgewertet und dargestellt.

Die Klimaveränderungen der Klimakenngrößen werden in Karten dargestellt. In diesen Karten ist zu sehen, wie sich die jeweilige Kenngröße räumlich über das Gebiet verteilt. So wird sichtbar, in welchen Bereichen bestimmte klimatische Bedingungen stärker oder schwächer ausgeprägt sind. 

Die kartografische Darstellung erleichtert das Verständnis und die Einordnung der Ergebnisse, da Unterschiede zwischen einzelnen Teilräumen auf einen Blick erkennbar werden. Darüber hinaus ist in den Karten auch die Topographie, also die Höhenlage und Geländeform, erkennbar. Dadurch können mögliche Zusammenhänge zwischen Geländestruktur und klimatischen Ausprägungen besser nachvollzogen und erklärt werden.

Was ist eine Klimakenngröße?

Klimakenngrößen sind messbare Kennzahlen, die Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen beschreiben. Beispiele für bekannte Kenngrößen sind etwa Hitzetage, Tropennächte oder Indikatoren für Starkregenintensitäten. Im kommunalen Kontext werden diese Klimakenngrößen anwendungsorientiert aufbereitet, sodass sie direkt mit lokalen Strukturen (z.B. Infrastruktur, Flächennutzung oder Daseinsvorsorge) verknüpft werden können. 

Was ist ein kommunales Wirkungsgefüge?

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Kommunen entstehen nicht isoliert, sondern durch ein Zusammenspiel vieler verschiedener Einflussfaktoren. Klimatische Veränderungen können dabei direkte und indirekte Folgen auslösen, die sich über unterschiedliche Bereiche einer Kommune hinweg ausbreiten. Um diese komplexen Zusammenhänge besser sichtbar und verständlich zu machen, wurde im Projekt LandWandel ein kommunales Wirkungsgefüge entwickelt.

Das Wirkungsgefüge basiert auf Experteninterviews, Literaturrecherchen sowie einer fachlichen Validierung und bildet zentrale kommunale Bereiche sowie deren Wechselwirkungen unter klimatischem Einfluss ab. Dadurch lassen sich direkte und indirekte Auswirkungen analysieren. Für die Kommune Freudenstadt umfasst das Gesamtwirkungsgefüge insgesamt xx Knoten und xx Kanten.

Das Wirkungsgefüge stellt eine vereinfachte Abbildung komplexer kommunaler Zusammenhänge dar und basiert auf einem abgegrenzten Studiengebiet (Verweis). Trotz der breiten fachlichen Grundlage besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Einzelne Zusammenhänge können je nach lokalen Rahmenbedingungen unterschiedlich ausgeprägt sein oder sich im Zeitverlauf verändern.

Aufbau des Wirkungsgefüges
Knoten

Die Knoten stellen einzelne Einflussfaktoren, Zustände oder Auswirkungen innerhalb des kommunalen Systems dar. Beispiele hierfür sind Infrastruktur, Umweltfaktoren, wirtschaftliche Aspekte oder gesundheitliche Auswirkungen. Jeder Knoten ist einem thematischen Subsystem zugeordnet.

Kanten

Die Verbindungen zwischen den Knoten beschreiben die Wirkungszusammenhänge im System. Dabei wird sowohl die Richtung als auch die Art der Wirkung dargestellt:

  • Positive Wirkung (+): Verändert sich Knoten A in eine Richtung, verändert sich Knoten B ebenfalls in dieselbe Richtung.
  • Negative Wirkung (-): Verändert sich Knoten A, verändert sich Knoten B in die entgegengesetzte Richtung.

Dadurch lassen sich Ursache-Wirkungs-Beziehungen innerhalb des kommunalen Systems nachvollziehen.

Subsysteme und Kategorisierungen

Zur Strukturierung der kommunalen Wirkungszusammenhänge, wurde das Wirkungsgefüge in verschiedene thematische Subsysteme und Kategorien gegliedert. Diese bilden zentrale kommunale Handlungs- und Wirkungsbereiche ab, die durch klimatische Veränderungen beeinflusst werden oder selbst Einfluss auf die Ausbreitung von Klimawirkungen haben.

Die Unterteilung ermöglicht eine bessere fachliche Einordnung der einzelnen Knoten und unterstützt die Analyse von sektorübergreifenden Wechselwirkungen. Die Subsysteme und Kategorien orientieren sich an den thematischen Clustern der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS 2024), wurden jedoch für die kommunale Systemanalyse angepasst und erweitert. Die folgende Übersicht zeigt die verwendeten Subsysteme und Kategorien sowie deren thematische Einordnung.

Tabelle 1: Übersicht über Kategorisierung der Knoten

Subsystem

Kategorie

Kurzbeschreibung

Bezug zur DAS

Energie

Energiewirtschaft

Übergreifende Aspekte der Energieversorgung und Energieinfrastruktur, z. B. Energiepreise oder witterungsbedingte Belastungen

  • Cluster Infrastruktur (Handlungsfeld „Energiewirtschaft“)

Energie

Stromversorgung

Erzeugung, Übertragung, Verteilung und Nutzung elektrischer Energie einschließlich Versorgungssicherheit und Netzstabilität

  • Cluster Infrastruktur (Handlungsfeld „Energiewirtschaft“)

Energie

Gasversorgung

Erzeugung, Verteilung und Nutzung gasförmiger Energieträger sowie zugehörige Infrastrukturen

  • Cluster Infrastruktur (Handlungsfeld „Energiewirtschaft“)

Energie

Wärmeversorgung

Bereitstellung, Verteilung und Nutzung von Wärmeenergie für Gebäude und industrielle Prozesse

  • Cluster Infrastruktur (Handlungsfeld „Energiewirtschaft“)

Gesundheit und Soziales

Menschliche Gesundheit

Gesundheitliche Auswirkungen klimatischer Veränderungen sowie medizinische Versorgung und umweltbezogene Belastungen

  • Cluster menschliche Gesundheit und Pflege

Gesundheit und Soziales

Bevölkerung

Demografische, soziale und verhaltensbezogene Aspekte der Stadtgesellschaft sowie gesellschaftliche Bedürfnisse und Akzeptanz

  • Cluster Stadtentwicklung, Raumplanung und Bevölkerungsschutz,
  • Ergänzende Handlungsbereiche/ Aktionsfelder

Wirtschaft

Tourismuswirtschaft

Touristische Angebote, Infrastruktur und Nachfrage einschließlich saisonaler sowie gesundheitsbezogener Tourismusformen

  • Cluster Wirtschaft

Wirtschaft

Lokale Wirtschaft

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Entwicklungen wie Arbeitsplätze, Pendlerströme oder Lebenshaltungskosten

  • Cluster Wirtschaft

Wasser

Wasserversorgung

Gewinnung, Aufbereitung, Verteilung und Nutzung von Trink- und Brauchwasser

  • Cluster Wasser

Wasser

Wasserhaushalt

Natürliche Prozesse und Zustände zur Verfügbarkeit und Qualität von Wasser in Böden und Gewässern

  • Cluster Wasser

Wasser

Siedlungs-entwässerung

Ableitung, Behandlung und Nutzung von Abwasser und Niederschlagswasser

  • Cluster Wasser

Urbaner Raum

Grüne Infrastruktur

Grün- und Freiflächen sowie naturnahe Bereiche mit Bedeutung für Stadtklima, Umwelt und Aufenthaltsqualität

  • Cluster Stadtentwicklung, Raumplanung und Bevölkerungsschutz,
  • Cluster Land und Landnutzung

Urbaner Raum

Verkehrsinfrastruktur

Mobilität, Verkehrsnetze und verkehrsbezogene Infrastrukturen einschließlich Verkehrsbelastung und Winterdienst

  • Cluster Stadtentwicklung, Raumplanung und Bevölkerungsschutz / Cluster Infrastruktur

Urbaner Raum

Gebaute Umwelt

Gebäude, bauliche Strukturen und versiegelte Flächen mit Einfluss auf Nutzung, Stadtbild und Stadtklima

  • Cluster Infrastruktur (Handlungsfeld „Gebäude“)
  • Cluster Stadtentwicklung, Raumplanung und Bevölkerungsschutz

 

Was ist eine Impactanalyse?

Für die Impactanalysen der einzelnen Klimakenngrößen in den Steckbriefe werden spezifische Netzwerkausschnitte aus dem Gesamtwirkungsgefüge (Was ist ein kommunales Wirkungsgefüge?) erstellt. Diese zeigen die wichtigsten Zusammenhänge, die von der jeweiligen Klimakenngröße ausgehen. Die Größe der Knoten zeigt dabei, wie viele Kanten der jeweilige Knoten im Gesamtwirkungsgefüge besitzt. Unterschiedliche Farben der Knoten kennzeichnen die verschiedenen Subsysteme. Dadurch wird sichtbar, welche Bereiche besonders beeinflusst werden und wie sich Auswirkungen innerhalb des Systems weiter ausbreiten können.

Zusätzlich zu direkten Zusammenhängen werden auch indirekte Zusammenhänge dargestellt, die die dargestellten Knoten über einen – im Ausschnitt nicht sichtbaren – Knoten verbinden. Diese Verbindungen sind gestrichelt dargestellt.

Die schriftliche Impactanalyse beschreibt die zentralen Wirkungszusammenhänge einer Klimakenngröße innerhalb des Netzwerkausschnitts. Dabei werden Auswirkungen sowie mögliche Folgewirkungen erläutert, um zentrale Wirkpfade und potenzielle Auswirkungen auf kommunale Systeme sichtbar zu machen.

Datengrundlage der Klimakenngrößen

Die Grundlage unserer Klimaanalysen bilden Beobachtungsdaten und aktuelle Modellsimulationen. 

Vergangenes Klima 1991-2020

Für die Beschreibung des vergangenen Klimas verwenden wir den hochaufgelösten Datensatz HYRAS des Deutschen Wetterdienstes. Durch seine hohe räumliche Auflösung und die Berücksichtigung von Höhenunterschieden bildet HYRAS regionale Besonderheiten sehr gut ab. In unserer Auswertung betrachten wir den Zeitraum 1991-2020, der als Referenz für das heutige und zukünftige Klima dient. Gleichzeitig wird HYRAS genutzt, um rechnerische Abweichungen der Klimamodelle statistisch zu korrigeren und damit realistischere Ergebnisse zu erhalten. Weitere Hinweise zur statistischen Korrektur sind in Hundhausen et al. 2023 (DOI angeben) zu finden.   

Zukünftiges Klima

Für die Abschätzung der zukünftigen Klimaentwicklung greifen wir auf das KIT-KLIWA-Klimamodellensemble zurück. Dabei handelt es sich um hochaufgelöste regionale Klimasimulationen mit einer Gitterweite von 2,8 Kilometern, die speziell für die Analyse lokaler Auswirkungen geeignet sind. Die Auswertungen basieren auf einem Ensemble aus vier globalen Klimamodellen, die von einem regionalen Klimamodell herunterskaliert werden. Die Simulationen decken den Zeitraum von 1968 bis 2100 ab und basieren auf einem Szenario mit starkem Klimawandel (RCP 8.5). Dieses Vorgehen ermöglicht es, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und liefert eine Grundlage für Anpassungsmaßnahmen. Analysiert werden tägliche Daten zu Temperatur und Niederschlag, die zuvor mit Hilfe der Beobachtungsdaten angepasst wurden.

Methodik

Für den Vergleich von vergangener und zukünftiger Klimaentwicklung verwenden wir den sogenannten Globalen Erwärmungsniveau-Ansatz. Dabei werden keine festen Zukunftsjahre betrachtet, sondern Zeiträume mit bestimmten globalen Temperaturanstiegen. Wir vergleichen das Klima der Jahre 1991-2020 (rund +1 °C globale Erwärmung) mit einer zukünftigen Welt bei +2 °C Erwärmung, die etwa 2030 bis Mitte des Jahrhunderts entspricht und einer +3 °C Erwärmung, die etwa der Mitte bis dem Ende des Jahrhunderts entspricht. Dieser Ansatz wird international eingesetzt, unter anderem in den Sachstandsberichten des Weltklimarats, und ermöglicht gut vergleichbare Aussagen zu zukünftigen Klimaentwicklungen.

Auf Basis dieser Daten werden die verwendeten Klimakenngrößen jeweils entsprechend ihrer Definition aus den Tageswerten berechnet. Insgesamt ermöglicht diese Auswertung eine praxisnahe Einschätzung heutiger und zukünftiger Klimarisiken, die Kommunen bei der Planung von Anpassungsmaßnahmen unterstützt.  

Was muss ich bei der Interpretation der Klimaveränderungen beachten?

Bei der Interpretation der Ergebnisse sind folgende Punkte zu beachten:

  • Aussagen zur zukünftigen Klimaentwicklung beruhen auf regionalen Klimamodellen. Diese bilden mögliche Entwicklungen unter veränderten klimatischen Bedingungen ab und sind keine exakten Vorhersagen.
  • Die Auswertungen des zukünftigen Klimas basieren auf einem Ensemble aus vier Klimamodellen. Dargestellt sind neben dem Median auch Minimum und Maximum der Ergebnisse. Diese Spannbreite zeigt, in welchem Bereich sich die mögliche zukünftige Entwicklung bewegen kann.
  • Zur Bewertung der Aussagekraft wurde ein Robustheitstest mit zwei Kriterien angewandt. Eine Veränderung gilt als robust, wenn beide Bedingungen erfüllt sind. Erstens zeigen drei der vier Modelle die gleiche Entwicklungsrichtung (Zu- oder Abnahme). Zweitens ist die Veränderung statistisch signifikant, was mit einem Mann Whitney Wilcoxon Test überprüft wird. Die Vorgehensweise folgt der Methodik in Pfeifer et al. 2015 (DOI: 10.3390/atmos6050677). Nicht robuste Ergebnisse deuten auf Unsicherheiten hin und sollten entsprechend vorsichtig interpretiert werden.
  • Die dargestellten Werte beziehen sich auf das gesammte Untersuchungsgebiet. Kleinräumige Unterschiede, beispielsweise durch Topographie, Landnutzung oder Bebauung, können davon abweichen. 
  • Unsicherheiten sind ein Bestandteil von Klimaprojektionen. Sie entstehen z.B. durch unterschiedliche Modellannahmen. Daher sollten die Ergebnisse nicht als exakte Zahlenwerte interpretiert werden, sondern als Entwicklungskorridore. 

Worauf basieren die empfohlenen Maßnahmen?

Die Maßnahmenempfehlung wird auf Grundlage der Impactanalyse (vgl. Was ist eine Impactanalyse?) erarbeitet. In der Regel werden nur für die direkt durch den klimatischen Impulsgeber (die entsprechende Klimakenngröße) beeinflussten Knoten im System Maßnahmen empfohlen.

Zusätzlich werden die Maßnahmen klimakenngrößenübergreifend in verschiedene Kategorien eingeteilt: 

  • Fokusmaßnahmen: Maßnahmen mit besonders großer Wirkung auf die gesamte Kommune, die viele Bereiche gleichzeitig beeinflussen können. Diese sollten entsprechend priorisiert werden.
  • Stabilisierende Maßnahmen: Maßnahmen, die wichtige Funktionen sichern und negative Folgen abschwächen sollen.
  • Ergänzende Maßnahmen: Maßnahmen mit eher begrenzter Wirkung, deren Bedeutung von den jeweiligen Bedingungen und Präferenzen vor Ort abhängt.

Die Grundlage hierfür liefert die Strukturanalyse, welche die Rolle einzelner Knoten innerhalb des Gesamtwirkungsgefüges (Was ist ein kommunales Wirkungsgefüge?) anhand verschiedener netzwerkanalytischer Metriken untersucht . Diese werden zu drei Funktionsdimensionen zusammengefasst:

  • Einflusskraft: Stärke der Auswirkungen eines Knotens auf andere Bereiche des Systems

  • Beeinflussbarkeit: Abhängigkeit eines Knotens von Veränderungen in anderen Bereichen

  • Strukturrelevanz: Bedeutung eines Knotens für Vernetzung und Stabilität des Gesamtsystems

Dadurch können besonders relevante Einflussfaktoren und potenzielle Hebelpunkte für Klimaanpassungsmaßnahmen identifiziert werden.